Lebenskrise

 

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Tag 1

 

Sonntagsblues...

Was ist das bloss, dass die Wochenenden immer so quälend macht? Die Wochentage sind oft erträglich, aber kaum sind wir bei Samstag verrinnt die Zeit zäh und zäher, ich höre Minuten, die herruntertropfen wie Leim. Meine Ehe ist im Eimer, das weiß ich nicht erst seit gestern. Warum ich bleibe? Vielleicht wegen der Kinder, vielleicht weil ich Veränderungen so hasse, vielleicht weil ich im täglichen Überlebenskampf den Fluchtreflex verloren habe. Mein Mann sagte mal gehässig zu mir, ich würde bleiben, weil ich eh niemand anderen finden würde. Was hat er sich da getäuscht. Das Finden war kein Problem, aber den finalen Schnitt zu machen war mir nicht möglich. So verschwanden sie wieder. Warum er bleibt? Weil es ihm noch zu teuer ist zu gehen. Wenn die Kinder auf den eigenen Füßen stehen, spätestens dann ist er weg. Ich sollte froh sein, dann werden die Karten neu gemischt. Bis dahin muß ich jeden Tag durchstehen, angefüllt mit Gleichgültigkeit, Wut, Ekel und Ohnmacht.

Rückblickend verfluche ich den Tag, an dem ich ihm gestattet habe mich zu berühren. Ich war damals nicht verknallt in ihn, er war nur Mittel zum Zweck. Mein Leben lag gerade in Scherben und seine Bewunderung war Balsam für mich. Ich spielte für ihn in einer anderen Liga und er konnte es gar nicht fassen, als ich mich ihm zuwandte. Wir hatten nichts gemeinsam, nicht die gleichen Interessen, die gleiche Bildung. Aber er war zärtlich, ich war seine Sonne und ich liess mich fallen. Ignorierte alle warnenden Stimmen, wollte nur den Schmerz vergessen. Und dann verpasste ich den Absprung. Landete in einer Beziehung, die nur eine Bettgeschichte sein sollte und es in den ganzen Jahren nicht einmal mehr dazu reichte. Ich schlafe seit über 7 Jahren nicht mehr mit ihm. Ich ekle mich vor ihm, seine Begierden stossen mich ab. Sex war immer ein Problem, das begann schon bald. Für ihn war nichts kick genug, es ging ihm irgendwann mehr um Turnübungen und immer neue Spielarten, da konnte ich nicht mithalten.

Wir können nicht mal mehr miteinander reden, er war schon immer ein Kommunikationslegatheniker. Wenn ich von Kunst oder Büchern redete, hätte ichs genauso einer Wand erzählen können. Sein Bildungshorizont endet bei seiner Mickey Mouse. Seine Gedanken auszudrücken, was Männern ja allgemein schwerfällt, war ihm kaum möglich. Es kam und mit den Jahren wurde es schlimmer, nur wirrer Wortsalat raus, unerklärbar und für mich nicht fühlbar. Seine Unfähigkeit zu formulieren endete mit hilflosen Beleidigungen, in seinem Kopf spielte er dann all das durch, was er nicht sagen konnte. Und hörte da auch meine imaginären Antworten. Ich wüßte ja zu gern, was ich ihm da schon alles an den Kopf geschmissen habe ^^. Am Ende war er wütend und ich ratlos. Und das Schweigen begann. Meine Freundin sagte einmal, Schweigen ist eine mächtige Waffe. Ich kann ihr da nur zustimmen, sie tötet langsam und lautlos, aber sehr effektiv.

Ich werde versuchen, hier in dem Block, gegen mein Schweigen anzukämpfen. Meine Gedanken in Worte zu fassen, sie damit fliegen lasse, um nicht an ihnen zu ersticken.

 

 

6.10.13 23:01





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